Persönlichkeitsdiagnostik nach Kuhl:

Entwicklungsorientierte Selbstmanagement-Analyse (EOS)

Die Passung zwischen Persönlichkeit und Arbeitssituation ist nicht nur für den Berufserfolg, sondern auch für die eigene Zufriedenheit von entscheidender Bedeutung. Zu wissen, welche Besonderheiten der Persönlichkeitsstruktur einen auszeichnen und die eigenen Antriebskräfte richtig einzuschätzen, ist ein wichtiger erster Schritt, um die eigenen Kompetenzen und Möglichkeiten zu erweitern.

Ich verwende im Coaching dazu gerne ein wissenschaftlich abgesichertes und in der Praxis bewährtes Verfahren, das von dem Persönlichkeitsforscher Professor Dr. Julius Kuhl entwickelt wurde. Es basiert auf mehr als 30 Jahren Grundlagen- und Anwendungsforschung mit der Fragestellung:

Was steuert unser Verhalten tatsächlich, oft im Gegensatz zu unseren bewussten Absichten?

Im Gegensatz zu anderen Verfahren werden mit der EOS-Potenzialanalyse keine Typen gebildet, sondern annähernd 100 Persönlichkeitsmerkmale isoliert voneinander gemessen, die im systemischen Zusammenspiel das spezifische Verhalten einer Person verursachen. Statt des „Outputs“ in Form von sichtbarem Verhalten wird also erstmals die Verursachung des Verhaltens dargestellt. Moderne bildgebende Verfahren der Neurobiologie, die Arbeitsprozesse des Gehirns sichtbar machen, bestätigen das. (lesen Sie mehr: „Theorie der Verhaltenssteuerung“)

Diese Betrachtung ermöglicht es, unterschiedliches Verhalten je nach Situation und Kontext zu erklären. Sie zeigt die individuellen Stärken und Talente eines Menschen auf und seine Entwicklungsfelder. Denn immer gibt es “Engpassfaktoren“, die in bestimmten Situationen dazu führen, dass jemand seine eigenen Potenziale nicht nutzen kann. Hier kann dann ein gezieltes Coaching ansetzen.

Einzigartig ist bisher die Messung der unbewussten Motivationsstruktur. Tatsächlich schätzen etwa die Hälfte der Testpersonen ihre unbewusste Motivation falsch ein. Dabei steuert gerade sie unser nachhaltiges Verhalten und ist die größte Kraftquelle für unser tägliches Handeln. Je besser es gelingt, diese Kraftquelle zu erschließen, desto leichter können wir die Aufgaben und Anforderungen im Beruf und Alltag erfolgreich meistern.

Ein zweiter wichtiger Aspekt der Kuhl’schen Persönlichkeitsdiagnostik ist die Erfassung der Selbststeuerung, umgangssprachlich auch als emotionale Kompetenz oder Selbstkompetenz bezeichnet. Sie umfasst beispielsweise solche wichtigen Fähigkeiten wie Selbstmotivierung, Selbstdisziplin, Willensstärke und den konstruktiven Umgang mit Misserfolgen. Gemessen wird ebenfalls, wie viel von diesen persönlichen Kompetenzen auch unter Stress und Belastung noch zur Verfügung stehen.

Kuhl unterscheidet bei der Verhaltenssteuerung eines Menschen drei Ebenen: die Erst- und Zweitreaktion und die Motivationslage:

  1. Die Erstreaktion kennzeichnet unseren Persönlichkeitsstil und die Art und Weise, wie wir spontan zuerst reagieren. Der Persönlichkeitsstil wird durch bevorzugte Affektlagen (Stimmungen) und das Temperament beeinflusst und ist genetisch bedingt oder sehr früh geprägt. Die Erstreaktion lenkt die unwillkürliche Wahrnehmung und erzeugt spontane Erlebens- und Verhaltenstendenzen. Weil diese Reaktion unwillkürlich erfolgt, ohne bewusste Einflussnahme, ist es diese Ebene der Persönlichkeit, mit der wir uns am meisten identifizieren („So bin ich nun mal“). Der Persönlichkeitsstil ändert sich, wenn überhaupt, nur sehr langsam.
    In herkömmlichen Persönlichkeitstests wird zumeist gerade diese Ebene der Persönlichkeit gemessen. Sie ist jedoch für das Handeln und Entscheiden im täglichen Leben weniger bestimmend.
  2. Die Zweitreaktion: Sie beschreibt, wie man die spontanen Gefühle und Handlungsimpulse nutzt oder je nach Situation verändert. Die Zweitreaktion zeigt, wie jemand im Laufe seines Lebens gelernt hat, sich selbst zu steuern, um auch solche Situationen zu meistern, die er mit seinem Spontanverhalten nicht angemessen bewältigen könnte.
    Entscheidend für die Leistungsfähigkeit und das persönliche Wohlbefinden ist gerade die Zweitreaktion. Selbst eine extreme Erstreaktion kann durch eine entsprechend ausgebildete Zweitreaktion ausgeglichen werden. Die Zweitreaktion lässt sich ein Leben lang entwickeln und verbessern. Besonders effektiv kann dies im Coaching geschehen.
  3. Die Motivation: Motive sind Kräfte, die unserem Handeln Richtung und Energie geben. Sie steuern außerdem unsere Wahrnehmung. Je nachdem, welche (bewusste oder unbewusste) Motivation in uns angesprochen ist, nehmen wir eine Situation unterschiedlich wahr und verspüren mehr oder weniger Energie zu bestimmtem Verhalten. Man unterscheidet in der Psychologie drei grundlegende Motive: das Machtmotiv zum Verwirklichen eigener Vorstellungen und zum Einfluss nehmen, das Leistungsmotiv zum Lernen und zum Bewältigen von schwierigen Aufgaben und das Beziehungsmotiv zur Gestaltung sozialer Kontakte.

Insgesamt hilft die EOS-Potenzialanalyse, die zentralen Grundlagen für Ihre persönlichen Kompetenz aufzudecken. Sie können mit Hilfe dieser Analyse verstehen,

  • mit welcher spontanen Reaktion Sie veranlagungsgemäß immer zuerst reagieren (wichtig, um die unwillkürlichen Gefühls- und Handlungsimpulse eigenständig zu überwinden, anstatt sich ihnen auszuliefern)
  • welche Motive Sie unbewusst antreiben, ob sie mit Ihren bewussten Zielen übereinstimmen oder ob Sie gar in der Gefahr eines Burnouts stehen
  • welche Verhaltensstrategien Sie bisher nutzen, um sich durchzusetzen, Schwierigkeiten zu überwinden, Beziehungen zu gestalten – und wie Sie diese erweitern können
  • wie Sie unter Stress und Druck Ziele verfolgen, Misserfolge verarbeiten und handlungsfähig bleiben können
  • wo Ihre größten Entwicklungschancen liegen